OEZ-Attentat München – Gedenk- und Informationsveranstaltung

Am 22.7.2016 wurden am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in München neun Menschen bei einem rechten, rassistischen und antiziganistischen Anschlag ermordet. Die Tat fand am 5. Jahrestag des rechten Attentats in Oslo und Utøya, Norwegen, statt. Dank des unermüdlichen Kampfs der Angehörigen und Überlebenden wurde der Anschlag mittlerweile als rechter Terror anerkannt. Trotzdem bleibt er oft unerwähnt und ist vielen unbekannt. Es fehlt an größerer Öffentlichkeit beim Erinnern in München und darüber hinaus.

Wir, die Gruppe „NSU-Komplex auflösen Jena“, laden euch deshalb zu einer lokalen Gedenk- und Informationsveranstaltung am 22.7.2022, 17-19:00 Uhr, ins Ketzal ein (Secondhand-Laden, Zwätzengasse 7/8). Gemeinsam wollen wir uns über die Tat, ihre öffentliche Wahrnehmung und den Kampf um Erinnerung informieren, zum Tatzeitpunkt um 17:51 Uhr den Opfern gedenken und uns mit den offenen Forderungen der Angehörigen auseinandersetzen. Es wird vorbereitete Inputs, eine kurze Doku sowie Raum zum Zuhören und Austauschen geben.

Im Gedenken an: Armela Segashi, Can Leyla, Dijamant Zabërgja, Guiliano Kollmann, Hüseyin Dayıcık, Roberto Rafael, Sabina S., Selçuk Kılıç und Sevda Dağ.

Für weitergehende Infos/Gedenkveranstaltungen in München sowie weitere überregionale lokale Termine: https://muenchen-erinnern.de/

Forderungen an die Stadt Jena – NSU-Komplex konsequent begegnen!

Zurzeit findet ein städtisches Kulturprogramm namens „Kein Schlussstrich! Jena und der NSU-Komplex. Eine stadtgesellschaftliche Auseinandersetzung“ statt. Ganze zehn Jahre nach dem Bekanntwerden des NSU, dessen Kernmitglieder bekanntlich aus Jena stammten, sind somit erstmals Anzeichen einer breiteren Auseinandersetzung mit dem Thema in den städtischen Institutionen erkennbar. Abdul Kerim Şimşek, der Sohn von Enver Şimşek, dem ersten Mordopfer des NSU, spricht in diesem Zusammenhang zurecht von einem Weg, auf den sich die Stadt Jena begeben habe; die Stadt selbst will die Nachhaltigkeit der Veranstaltungen betont wissen. Wohin der eingeschlagene Weg jedoch führt und welche nachhaltigen Wirkungen die oben zitierte „stadtgesellschaftliche Auseinandersetzung“ haben wird, wird sich erst im Nachhinein beurteilen lassen. Damit die notwendige Beschäftigung mit dem NSU-Komplex nicht allein auf kultureller Ebene verbleibt, richten wir hiermit einige konkrete Forderungen an die Stadt. In diesem Sinne: Die Auseinandersetzung der Stadt Jena mit sich selbst wird sich daran messen lassen müssen, inwieweit greifbare Schritte auf das Kulturprogramm folgen. Diese müssten wenigstens die folgenden Punkte umfassen: 1. Aufarbeitung des NSU-Komplex, 2. Gedenken und Erinnern sowie 3. Praktische Konsequenzen. Die folgenden Forderungen resultieren aus einer Vielzahl von Gesprächen, die wir mit verschiedenen antirassistischen, antifaschistischen und/oder migrantischen Gruppen und Einzelpersonen vor Ort geführt haben; wir haben sie gemäß unserem aktuellen Wissens- und Informationsstand erstellt und weisen ausdrücklich auf die Unabgeschlossenheit der Liste hin. Auch möchten wir alle engagierten Initiativen und Personen dazu aufrufen die Forderungen zu ergänzen! Weiterlesen

Schicht im Schacht: Faschistische Normalisierung durchbrechen! – Redebeitrag, Zwönitz, 31.07.2021

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen, liebe Antifaschist:innen, die seit Jahren hier in der Region aktiv sind und sich einer Gesellschaft gegenüber sehen, die faschistischem, rassistischem und antisemitischen Denken und Handeln mindestens gleichgültig gegenüber steht.
Wir sprechen für die Ortsgruppe Jena des bundesweiten Aktionsbündnis „NSU-Komplex auflösen“. Zusammen mit anderen Initiativen, politischen Aufklärerer:innen, engagierten Anwält:innen und allen voran mit den Betroffenen des NSU-Terrors kämpfen wir für die lückenlose Aufklärung des NSU-Komplexes – ein Versprechen, welches einst von der Kanzerlin dieser Republik selbst gegeben wurde und bis heute nicht eingelöst ist. Weiterlesen

“EMPÖRUNG REICHT NICHT! Wir fordern konsequentes Handeln gegen Rassismus, HIER und JETZT!” – Demo in Jena am 16.07.2021

Zehn Jahre wollten die Verteter*innen der Stadt Jena nichts von Aufarbeitung des NSU-Komplexes wissen. Zehn Jahre, das entspricht auch der Zeit, welche etwa die Angehörigen von Enver Şimşek nicht wussten, wer ihn ermordet hat. Zehn Jahre, in denen sie durch die Ermittlungsbehörden verdächtigt, überwacht und psychischem Terror ausgesetzt wurden. Und nicht zuletzt zehn weitere Jahre, in denen sich Rassisten und Neonazis weiterhin organisieren und vernetzen konnten.
Zehn Jahre des Schweigens, dabei wäre es so wichtig, den NSU-Komplex auch lokal aufzuarbeiten, um ableiten zu können, welche strukturellen Änderungen es braucht, um Ähnliches künftig zu verhindern! Auch deshalb forderten Angehörige der Ermordeten nach dem Münchner Prozess, „keinen Schlussstrich“ zu ziehen.
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Aufruf – EMPÖRUNG REICHT NICHT! Wir fordern konsequentes Handeln gegen Rassismus, HIER und JETZT!

Am einjährigen Todestag von Georg Floyd gedachten wir allen Menschen, die hier in Deutschland und weltweit durch rassistische Gewalt getötet wurden. Nicht nur die brutale Ermordung George Floyds durch einen weißen Polizisten jährte sich – am 19. Mai vor 10 Jahren wurde Christy Schwundeck von einer weißen Polizistin im Arbeitsamt in Frankfurt am Main erschossen. Im Gedenken an die Ermorderten durch rassistische Gewalt, gehen wir erneut auf die Straße, um an die koloniale Kontinuität dieser Gewalt zu erinnern, die trotz der Befreiung Afrikas, die seit 1963 jährlich am 25. Mai zelebriert wird, besonders Schwarze Menschen betrifft.

DEMONSTRATION, 16.07.2021, 16.30 – 18.30 Uhr, Faulloch

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Den Betroffenen des NSU gedenken – eine Aufforderung an die Stadt Jena und JenaKultur

In diesem Jahr sind die zwanzigsten Todestage von Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü und Habil Kılıç. Die Todestage von Abdurrahim Özüdoğru und Süleyman Taşköprü jährten sich bereits am 13. und 27. Juni, Habil Kılıç starb am 29. August. Allen ist gemeinsam, dass sie durch die Mitglieder des NSU brutal ermordet wurden, da sie in der rassistischen Ideologie der Täter:innen keine gleichberechtigten Mitglieder dieser Gesellschaft waren.
Das maßgeblich durch die Stadt Jena und JenaKultur geplante Programm „Kein Schlussstrich! Jena und der NSU“ nimmt die drei Todestages und den 10. Jahrestag der Selbstenttarnung zum Anlass, sich umfangreich mit den Taten und der Entstehung des NSU zu beschäftigen. Das Programm soll auch Anstoß für eine lokale Bewusstwerdung der zu tragenden Verantwortung darstellen und für die Perspektive der von Rassismus und rechter Gewalt Betroffenen sensibilisieren.

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„Ausgrenzen ist nicht die Aufgabe der Jugendarbeit“ und doch hat die akzeptierende Jugendarbeit genau dies getan. Jugendarbeit nach dem NSU

Ein Kommentar zum Interview mit Stephan Dorschner.

Es sind wahre und vielversprechende Worte – nämlich: „Ausgrenzen ist nicht Aufgabe der Jugendarbeit“ – mit denen Stephan Dorschner im Interview mit JenaKultur seine Ausführungen schließt und einen wohligen Konsens herzustellen vermag. Ein Konsens allerdings, der auf den zweiten Blick schon gar nicht mehr so wohlig erscheint, zieht man den politischen Hintergrund dieser Aussage mit in Betracht.

Stephan Dorschner wurde 1990 zum ersten Jugenddezernenten der Stadt Jena gewählt. Eine herausfordernde Aufgabe, keine Frage. Das ganze Ressort musste neu aufgebaut werden, so auch das Jugendamt. Jugendhilfe und Jugendarbeit wurden wieder unter einem Dach vereint und neue Strukturen geschaffen, um auf die damaligen Anforderungen zu reagieren. Mutig derjenige, der sich dieser Verantwortung stellte. Dass dabei auch Fehler gemacht wurden, ist nachvollziehbar.

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Redebeitrag Seebrück Jena Aktionstag

Jena, 08.04.21

Liebe Leute,
wir, die Gruppe „NSU-Komplex auflösen/Jena“, freuen uns heute hier zu sein und wir unterstützen die Forderungen der Seebrücke Jena mit Nachdruck.
Wir wurden angefragt einen Redebeitrag zu halten – das möchten wir gerne tun. Dabei kann man sich vielleicht fragen: Was hat der NSU eigentlich mit der Seebrücke zu tun? Worin bestehen die Verbindungen zwischen den Forderungen der Seebrücke nach sicheren Häfen sowie Seenotrettung und dem rechtsterroristischen Netzwerk des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, das sich in 1990er Jahren hier in Jena gründete und in den Folgejahren bundesweit mindestens 10 Menschen erschoss sowie mehrere Bombenanschläge und Überfälle verübte?

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Erinnern heißt Kämpfen!

Am vergangenen Freitag, dem Jahrestag des rassistischen Anschlages von Hanau, gedachten über 300 Menschen in der Johannisstraße der Opfer und zeigten sich mit den Überlebenden und Angehörigen und deren Forderungen solidarisch (Links s.u.). In der darauffolgenden Nacht sind mehrere Plakate, welche die Gesichter und Namen der Ermordeten zeigen, in der Innenstadt von Jena beschädigt worden. Teils wurden sie mit einem dreisprachigen Fahndungsplakat der Polizei nach vermeintlich nicht-deutschen Tatverdächtigen aus dem Jahr 2018 überklebt. Wir werten das als einen Angriff auf das Gedenken an die Ermordeten von Hanau und die Solidarität mit den Überlebenden und Hinterbliebenen. Doch diesen feigen Versuch der Umdeutung durch die Angreifenden lassen wir nicht zu.

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