Kürzungen stoppen! – Aus dem NSU nichts gelernt?!

Als Gruppe „NSU-Komplex auflösen Jena“ lehnen wir die geplanten Kürzungen der  Stadt in den Bereichen Kultur, Soziales und Klimaschutz entschieden ab. Gerade als Stadt, in welcher der NSU entstand, trägt Jena eine besondere Verantwortung. Der vorliegende Entwurf zum Haushaltssicherungskonzept sieht jedoch u.a. Kürzungen bei „Initiativen für Geflüchtete“, beim „Jenaer Stadtprogramm gegen Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Antisemitismus und Intoleranz“, beim „Integrationskonzept“ und Teilhabeprojekten der Kinder- und Jugendarbeit vor.

Dies steht im Widerspruch zu Lehren, die aus dem NSU-Komplex gezogen werden müssen, und die u.a. in der verstärkten Vernetzung von Menschen mit und ohne Migrationserfahrungen, dem konsequentes Eintreten gegen Rassismus sowie dem öffentliches Agieren gegen extrem rechte Einstellungen und Rechtsterrorismus bestehen.

Mit den geplanten Kürzungen zeigt die Stadt somit auch, dass sie immer noch nicht hinreichend aus dem NSU-Komplex gelernt hat! Eine soziale Politik in der Krise muss vielmehr dem Grundsatz folgen: Wer hat, der gibt. Demnach muss auch die Wirtschaft in die Verantwortung genommen werden. Wir fordern alle Stadträt*innen auf, sich dieser Zusammenhänge zu besinnen und die Kürzungsvorschläge der Verwaltung zurückzuweisen.

Kurzer Rückblick auf die Einweihung des Enver-Şimşek-Platzes in Jena-Winzerla und Ausblick auf das Gedenkjahr 2021

Am Samstag, dem 19.09.2020 war es endlich so weit. 20 Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Enver Şimşek am 11.09.2000 in Nürnberg und den Jahren des Leids für die Familie. Zehn Jahre nach dem Bekanntwerden des NSU am 04.11.2010. Vier Jahre nach dem Beginn des Quartiersentwicklungsprozesses in Winzerla, in dessen Rahmen die Idee für die Benennung des bisher namenlosen Platzes oberhalb der Haltestelle Damaschkeweg entstand. Ein Jahr nach dem antisemitischen Anschlag in Halle, ein halbes Jahr nach dem rassistischen Attentat in Hanau. Die Weihe ist ein Zeichen, welches in vielerlei Hinsicht zu spät kommt und doch braucht es diesen Ort der Erinnerung an Enver Şimşek gerade an dieser Stelle und in dem Stadtteil, der als ein wesentlicher Ausgangspunkt für die Sozialisierung und Radikalisierung der Mitglieder und UnterstützerInnen des NSU angesehen werden muss. Die Weihe ist überwiegend geprägt von politischen Vertretern, es spricht der Oberbürgermeister Thomas Nitzsche, ein Grußwort des Bundespräsidenten wird verlesen, gefolgt von Minsterpräsident Bodo Ramelow, dem Generalkonsul der Türkei Serdar Deniz und dem Winzerlaer Ortsteilbürger Friedrich Gebhard. Am Schluss dann die Rede im Namen der Zivilgesellschaft von Pastorin Friederike Costa. Die Veranstaltung beschließt dann die Rede von Abdulkerim Şimşek, dem Sohn des Mordopfers. Er macht deutlich: „Als der NSU im Jahr 2011 aufflog, hat man uns viele Versprechungen gemacht“.

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Verleihung Jenaer Preis für Zivilcourage an Konrad Erben

Wir freuen uns an dieser Stelle die Rede von Konrad Erben, die er anlässlich der Preisverleihung des Jenaer Preis für Zivilcourage am 16.10.2020 hielt, dokumentieren zu können. In seiner Rede analysiert Konrad prägnant rassistische Kontinuitäten sowie das Erstarken autoritärer, menschenfeindlicher und antidemokratischer Einstellungen in Thüringen und darüber hinaus. Zudem spricht er sich für ein angemessenes Gedenken im Kontext des NSU in der Stadt Jena aus. Alles sehr lesenswert – noch einmal herzlichen Glückwunsch, Konrad!

Zur Begründung der Jury für die Verleihung an Konrad heißt es auf der Seite von KoKont:

Den 19. Jenaer Preis für Zivilcourage erhält in diesem Jahr Konrad Erben für die Organisation des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Als Privatperson veranstaltet Erben jährlich etwa zwölf Mahnwachen, die zumeist am Gedenkort vor der Holzskulptur in der Johannisstraße stattfinden. Er verfolgt dabei das Ziel, die Erinnerung an die Ermordeten aufrecht zu erhalten und ein Signal für die Hinterbliebenen und Überlebenden zu setzen. Darüber hinaus wird während der Mahnwachen die Forderung erneuert, auch nach Ende des Gerichtsprozesses den NSU-Komplex lückenlos aufzuklären. Die Laudatio hält Ayşe Güleç, sie ist Pädagogin, Autorin, Kuratorin und forschende Aktivistin und arbeitet an den Schnittstellen zwischen Kunst, Kunstvermittlung, Migration und Anti-Rassismus. Derzeit arbeitet sie als Mitglied des Artistic Teams zur Vorbereitung der documenta fifteen. Sie wirkte als unabhängige Sachverständige in der Enquete-Kommission Rassismus im Thüringen Landtag.

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“Das es so weiter geht, ist die Katastrophe” – Kundgebung gegen rechten Terror – 09.10.2020

Ich spreche im Namen der Jenaer Ortsgruppe des bundesweiten Bündnisses NSU-KOMPLEX AUFLÖSEN. Wir möchten im Redebeitrag Parallelen zwischen dem NSU-Komplex und dem antisemitischen und rassistischen Anschlag in Halle ziehen, um Kontinuitäten zu verdeutlichen und Schlüsse daraus abzuleiten.

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Begleitung der Platzweihe Enver-Şimşek-Platz

Am 19.09.2020, 11 Uhr findet die offizielle Platzweihe des neuen Enver-Şimşek-Platzes im Zentrum Winzerlas statt. Wir wollen diesen Moment gemeinsam mit allen Interessierten begleiten und uns mit den anwesenden Familienmitgliedern von Enver Şimşek solidarisch zeigen und ihm gedenken.

Enver Şimşek wurde am 14. Dezember 1961 in Isparta in der Türkei geboren. Er wuchs in einem Dorf namens Salur auf. Dort lernte er auch seine spätere Frau Adile kennen und lieben, beide heiraten 1978. Wenige Jahre später, im Alter von 24 Jahren zog Enver Şimşek nach Deutschland, Adile folgte im ein Jahr darauf. 1986 kam ihre Tochter Semiya zur Welt, kurz darauf ihr Sohn Abdulkerim. Nach wenigen Jahren als Angestellter machte er sich als Blumenhändler selbstständig. Er arbeitete viel um seinen Lebenstraum zu erfüllen.

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Gedenkplakette für Enver Şimşek

Nachdem am 21.05.2019 der Kulturausschuss der Stadt Jena für die Benennung eines bisher namenlosen Platzes oberhalb der Haltestelle Damascheweg in Jena-Winzerla in Enver Şimşek-Platz gestimmt hat, wird nun am 02.06.2020 über den Text der Gedenkplakette im Ausschuss diskutiert. Die Plakette soll am Platz angebracht werden und über das Leben von Enver Şimşek und seine Ermordung durch den NSU informieren.

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8 Wochen nach dem Anschlag von Hanau: Wir vergessen nicht.

Acht Wochen sind seit dem rassistischen Anschlag in Hanau vergangen. Schmerz und Trauer sind nicht weniger geworden. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und Hinterbliebenen. Wir versuchen unserem Mitgefühl, unserer Solidarität Ausdruck zu verleihen. Wir sagen ihre Namen:

Ferhat Unvar
Said Nesar Hashemi
Vili Viorel Păun
Mercedes Kierpacz
Sedat Gürbüz
Kaloyan Velkov
Fatih Saraçoğlu
Gökhan Gültekin
Hamza Kurtović
Gabriele R.

Wir vergessen nicht.

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Auftakt zur Diskussion um Veranstaltungskonzept 2021 der Stadt Jena

Wir waren heute beim Runden Tisch für Demokratie, um mit über das „Gedenkkonzept“ der Jena – Lichtstadt mit OB Thomas Nitzsche zu diskutieren und unsere Initiative vorzustellen. Wir haben die Grundprinzipien unserer Arbeit dargelegt, die sich aus den Diskussionen seit dem Bekanntwerden des NSU-Komplexes ergeben, obgleich diese Diskussionen nicht abgeschlossen sind. An diesen misst sich unsere Arbeit und auch ein städtisches Gedenken. Die Forderungen richten sich nicht nur an die Stadt, sondern auch an Zivilgesellschaft, Medien und Institutionen. Sie alle sind Teil des NSU-Komplexes.
Wir hoffen, die heutige Veranstaltung war der Auftakt für einen Diskussionsprozess. Wir werden uns weiterhin kritisch einmischen!

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